Museen in Bremen Nord

Draußen ist es kalt und grau. An Freiluftbeschäftigung ist nicht zu denken. Die wenigen klaren und sonnigen Tage kann man an einer Hand abzählen und wer klug ist, nutzt sie für einen ausgiebigen Spaziergang entlang der Weser, Lesum oder durch einen der vielen Bremen Norder Parks. Die restlichen, meist eher dunklen Stunden, verbringen meisten im Warmen bei einem guten Buch, Serienmarathon oder Handarbeitsprojekten. Doch es gibt eine Alternative zum Sofa: Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt mal wieder ins Museum zu gehen! Hand aufs Herz: Wann waren Sie das letzte Mal in einem? Bei mir ist es lange her. Ich glaube, es war das Überseemuseum an einem grauen Wintertag. Aber warum in die „Ferne“ schweifen, denn auch in Bremen Nord gibt es diesbezüglich eine Menge zu entdecken!

Vegesacker Geschichtenhaus (alter Hafenspeicher)

Zum Beispiel das Vegesacker Geschichtenhaus im Alten Speicher am Vegesacker Hafen. Hier wird die Geschichte unserer kleinen Hafenstadt lebendig und das im wahrsten Sinne des Wortes. Schauspieler in originalgetreuen Kostümen, erzählen vor historisch gestalteten Kulissen aus ihrem Leben, von ihrer Arbeit und geben einen realistischen und humorigen Einblick in die Zeit des Vegesack des 19. Jahrhunderts. Das macht selbst Museums-Muffeln Spaß, denn in Sachen Improvisation und Interaktion mit den Besuchern sind die Laien-Darsteller ganz weit vorne mit dabei.

Von Michael Lotz – Alter Hafenspeicher

Heimatmuseum Schloss Schönebeck

Einer meiner Lieblingsziele in der Grundschulzeit war das Schloss Schönebeck. Wenn man die knarzenden Treppen ins Obergeschoss erklommen hat, empfängt einen der Duft nach altem Holz, gemischt mit Räucheraroma und Altem. Überall stehen und hängen Exponate, die von der Schifffahrt erzählen. Im unteren Teil des Museums erfährt man, wie die Ur (UrUrUr-)Großeltern gelebt haben – als Kinder und Erwachsene. Eine vollausgestattete Küche gibt es ebenso, wie Wohn- und Schlafräume, eingerichtet mit allem was damals so zum Alltag gehörte. Ich weis nicht, wie oft ich mir die Nase am Fenster zum Schlafraum platt gedrückt habe, um zu schauen, ob ich etwas übersehen habe. Früher hauptsächlich Museum und Ort für Lesungen, hat das Schloss sein Programm inzwischen erweitert. So gibt es Märchenstunden für Kinder, Konzerte und heiraten kann man auf der ehemaligen Adelsburg auch.

Köksch und Qualm

Wer noch mehr darüber wissen möchte wie die Verwandtschaft „damals“ gelebt und vor allem gearbeitet hat, der schaut mal im „Köksch und Qualm“ vorbei. Das Mitmachmuseum in der Stader Landstraße zeigt, was Hauswirtschaft im 19. Jahrhundert bedeutete: Arbeit, Körpereinsatz und lange Tage. In der alten Zigarrenfabrik wird gewaschen, gekocht und geschrubbt. Als Gast wird man auch schnell mal in die Arbeit mit einbezogen: Während man vor ein paar Minuten noch von der Hausherrin im Salon empfangen wurde, findet man sich plötzlich an der Mangel, beim Kaffee mahlen oder beim Tisch eindecken wieder. Wechselnde Themenangebote beleuchten immer wieder neue Aspekte des damaligen Lebens und geben Tipps und Ideen, die man auch heute noch gebrauchen kann.

Overbeck Museum (Altes Packhaus)

Für alle, die sich für Kunst interessieren, ist das Overbeck Museum das richtige Ausflugsziel. Das Museum im alten Packhaus Vegesack zeigt Werke des Malerpaares Fritz und Hermine Overbeck, greift aber auch die Schwerpunkte Landschaftsmalerei oder Kunst aus Worpswede auf. Warum ausgerechnet Vegesack einem der bekanntesten Worpsweder Maler ein eigenes Museum widmet? Ganz einfach: 1905 verließ die Familie Worpswede und lies sich in Bröcken bei Vegesack (Voraumund) nieder. Wieso, weshalb und warum? Am besten beim nächsten Museumsbesuch mal nachfragen! Eine Antwort gibt es bestimmt. Schulklassen haben übrigens freien Eintritt. So gibt es also kein Argument mehr, sich nicht mal etwas Kunst zu gönnen.

Von Neeleh (talk) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Schulschiff Deutschland

Und zum Schluss wäre da noch das Schulschiff Deutschland das unübersehbar an der Lesummündung liegt. Der alte Rahsegler ist eines der Wahrzeichen des Stadtteils und erzählt von der Ausbildung der Handelsschifffahrt des vergangenen Jahrhunderts. Das 1927 in Dienst gestellte Vollschiff diente ausschließlich der Ausbildung und noch heute kann man gelegentlich Kletterer in der Takelage sehen. Neben Erkundungstouren auf eigene Faust oder geführt, inklusive Erklärungen, Geschichten und Anekdoten, kann man auf dem Segler auch übernachten oder heiraten. Dort Feiern geht natürlich auch.

Von Michael Lotz – Schulschiff Deutschland