5 Fragen an… Björn Bremer

Ich habe mich verliebt. In dieses Foto! Seit ein paar Tagen hängt es in einem Meter Breite bei mir im Wohnzimmer und ich muss immer, wenn ich daran vorbei komme, kurz stehen bleiben, um es mir noch mal ganz genau anzuschauen. Warum? Ganz einfach: Licht, Schatten, Vögel, Wasser, Bewegung, Tiefe – alles kombiniert in einer Aufnahme, die irgendwo zwischen Morgenspaziergang und dystopischer Szenerie schwankt. Ganz nah dran und doch ziemlich weit weg. Das Foto stammt von Takin‘ Shotz.

Schaut man sich auf seiner Seite um, entdeckt man noch mehr von diesen Aufnahmen, die eine ganz neue Perspektive auf eine eigentlich bekannte Umgebung legen. Inzwischen fotografiert er jedoch nicht mehr nur seine Umgebung. Immer öfter springen einem seine Bilder auch beim Restaurantbesuch entgegen. Seine Portraits haben Wiedererkennungswert und selbst einschlägige Zeitschriften wie die Digital Photo und bekannte Blogger haben seine Fotos entdeckt. [Jared Polin / Fro Knows – ab 1:20] Apropos Blogger: Björn bloggt auch. Über sich, das Fotografieren und den Stadtteil. Grund genug die erste Runde „5 Fragen an“ mit Takin‘ Shotz zu starten:

In 5 Stichworten: Wer bist du eigentlich und was soll das Ganze überhaupt?

1. Björn a.k.a. Takin‘ Shotz (Nein, mein Name ist nicht Takin)

2. Standbildverschönerungsgestalter

3. Vegesacker

4. Momente einfangen

5. Momente teilen

Warum liegt dir so viel am Bremer Norden?

Hm, also ich bin jetzt nicht so der Bremen-Nord Patriot – obwohl … Nee, im Ernst: Es ist nicht so, dass ich Nord über alles verteidige. Ich wohne hier schon mein Leben lang und fing einfach vor vier Jahren an meine Heimat zu fotografieren. Erst dadurch hab ich mich viel mehr für alles interessiert. Wo hier wann die Sonne auf- und untergeht, warum hier so viele Fehlentscheidungen getroffen werden, was eigentlich das Vegesack Marketing macht, wieso niemand – außer Anne* – meine Fotos für Vegesack verwendet usw. Um also die Frage zu beantworten: Mir liegt eher daran, meine Heimat mal cooler zu präsentieren. Jünger, fresher und unverkrampfter!

Hast du schon mal mit dem Gedanken gespielt woanders hinzugehen oder warst du schon mal länger weg?

Weil meine Freundin mich gezwungen hat, war ich letztes Jahr auf Rhodos. Ansonsten war ich mal in Holland, aber wirklich gereist bin ich nie. Hat mich nie so interessiert, bis jetzt, wo ich gemerkt habe, was für geile Orte ich fotografieren kann. Mein Opa sagt immer, er kann nicht lange weg sein, weil er morgens, wenn er aus dem Fenster guckt, immer seinen Grohner Kirchturm sehen muss. Sah ich auch mal so. Wenn ich allerdings könnte, wäre ich sofort in Los Angeles. Forever!

Wie ist die Story zum „Stadtgarten bei Hochwasser“-Foto?

Ich wollte schon immer mal das Hochwasser fotografieren. Da ich aber ständig bei meinem verhassten Job rumhängen musste, klappte das nie. Irgendwann wollte ich mir nicht mehr sagen lassen, wann ich fotografieren gehen darf, und habe gekündigt. Das passte glücklicherweise gerade mit dem damaligen Hochwasser zusammen. Ich habe meine Kamera also in eine kleine Plastiktüte eingepackt, ein altes Objektiv draufgeschraubt und lief los. Es hat am Anfang mega geregnet. Hohe Wellen bis in den Stadtgarten. Richtig Drama! Ich lief in Gummistiefeln von der Gläsernen Werft bis zum alten Hafen. Ich hatte schon immer ein Faible für Tauben bzw. Vögel. Sieht immer geil aus, wenn man die beim Landen oder Wegfliegen einfängt. Auf dem Rückweg jedenfalls, unter den Ahornen im Stadtgarten, sah ich diese ganzen Möwen chillen. Das Wasser lief mir fast in die Stiefel. Ich lief auf die Möwen zu, fokussierte die ganze Zeit, und sprang dann einfach hoch. Da passierte genau das, was ich mir erhofft hatte (wenn auch erst nach dem dritten Sprung). Ich drückte vier bis fünf Mal ab und da war es dann, mein Favorit. Im Großen und Ganzen war es aber wieder mal meine Spontanität. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort und Glück!

Dein „Place to Be“ in Nord?

Damals war es das Rondell, der Stadtgarten, Schmiddies Tal, das Lesum Ufer, die Grotte im Knoops Park und der Innenhof der Grohner Düne. Jetzt ist es definitiv der Schönebecker Sand – die „Insel“ gegenüber vom Schulschiff. Beste Parties, bester Sonnenuntergang, bester Blick auf den Utkiek.

Bonusaufgabe: Ein Foto von dem ersten Ding machen, das jetzt vor dir steht/liegt/sitzt/hängt: