Ein Straße voller Schätzchen

Nun sitz ich hier die zweite Woche an meinem neuen Schreibtisch mitten in der Vegesacker Altstadt. Wenn ich aus dem Fenster schaue sehe ich Menschen am Fenster vorbei bummeln und gegenüber am Laden für Antikes & Schönes stehen bleiben, um sich Geschirr anzusehen, das aus Omas Stubenschrank stammen könnte. Ich versuche mich zu erinnern, wie es hier ausgesehen hat, als ich die 5,- von Oma noch für Esspapier und Sammelaufkleber ausgegeben habe.

Richtig was los war damals vor allem in der Gerhard Rohlfs Straße. Mit Immoor, Barlage und Dies & Das bei Dörthe lagen die zentralen Punkte für „coole“ Klamotten, Elektro, Musik und Dekokram im oberen Vegesack. Ausnahme: Das Musikgeschäft Ear in der Reeder Bischoff Straße, das musikalisch auch neben dem Mainstream schwamm. Ear gibt es schon lange nicht mehr, genauso wenig wie viele der damaligen Geschäfte im oberen und unteren Vegesack. Einige haben sich über die Jahre wacker gehalten, trotz abwandernder Kunden und Shoopingcenter-Boom. Eine Hartnäckigkeit, die sich gelohnt hat, denn seit einigen Jahren schlägt Vegesacks Puls wieder schneller und im Gegensatz zu früher liegt das Zentrum heute in der Altstadt! In der Reeder-Bischoff Straße, die noch vor wenigen Jahren vor allem mit leeren Schaufenstern „glänzte“, ist inzwischen richtig was los. Immer mehr Geschäfte siedeln sich zwischen Aumunder Heerweg und Breite Straße an. Typische Innenstadtketten gibt es nicht und zwischen inhabergeführten Ladengeschäften und Dienstleistern findet man so Besonderheiten wie die offizielle Deutschlandzentrale von Sea Shepherd. Die Stimmung ist gut. Man grüßt sich auf der Straße und sitzt bei schönem Wetter draußen vor der Tür bis der nächste Kunde kommt. Während Frau Bio-Mode bei Ecouture oder eine neue Markenjeans bei Cinderella shoppt, geht Mann kurz bei Technikus rein und schaut sich die neusten Elektro-Gimmicks für große Jungs an. Einen Kaffee trinkt man im Lloyd Cafe oder ein Stück weiter oben im Cafe Coppa – dem ehemaligen Kaffeepott.

Der Vegesacker Einzelhandel ist bunt!

Die Auswahl ist groß und wird immer größer. Erst vor kurzem verlegte Jeans Road seinen Laden vom Haven Höövt mitten in die Reeder-Bischoff-Straße und seit Juli gibt es hier einen Hachez Werksverkauf. Ein paar Ladengeschäfte sind noch frei und ich drücke die Daumen, dass diese bald neue Bewohner finden. Am liebsten so kleine „Schätzchen“ wieJeannine décoration oder den Blumen Stylist, die auf ihre ganz individuelle Art so sonst nirgends zu finden sind. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, hätte ich auch gern wieder eine Eisdiele am kleinen Markt. Am liebsten eine mit ausgefallenen Sorten. Also, wer schon immer vom eigenen Lädchen geträumt hat oder mit dem Gedanken spielt „in Eis zu machen“: Hier sind noch ein paar Plätze frei!