175 Jahre Vegesacker Wochenmarkt

Was für eine Zahl! 175! Damit ist der Vegesacker einer der ältesten Wochenmärkte Bremens. Auch wenn Supermärkte mit ihrem breiten Warenangebot und den täglichen Öffnungszeiten im Alltag immer noch die Nase vorn haben, können sie mit dem Flair und der Frische auf dem Markt nicht mithalten. „Direkt vom Erzeuger“ bedeutet hier, dass der Verkäufer nicht nur weiß wo die Kartoffel herkommt, sondern sie mit ziemlicher Sicherheit auch selbst in die Erde gesetzt hat. An den Ständen steht der regionale Bauer, in der X-ten Generation. Die meisten Marktbeschicker stammen aus Familienbetrieben und kennen ihre Kunden persönlich. Überhaupt ist „persönlich“ eines der Worte, die den Vegesacker Wochenmarkt am besten beschreiben. Wo sonst bekommt man mit einem „Wie immer“ genauso viele Eier wie man braucht, den Lieblingskäse in perfekter Scheibenstärke und den Kaffee so wie man ihn am Liebsten hat. Vielleicht bei Tante Emma – aber Halt, Stop – die gibt es ja kaum noch.

Kaufen, tratschen, gernhaben auf dem Wochenmarkt Vegesack

Bei Tante Emma konnte man auch mal einen kurzen Schnack halten und sich über die Neuigkeiten im Ort informieren. Das macht man heute eben auf dem Markt, so wie schon vor 100 Jahren. Trotz Trubel und Stoßzeiten gibt es immer wieder Zeit für ein Gespräch über die Theke. Grade für viele ältere Menschen eine der wenigen Gelegenheiten unter Leute zu kommen und sich auszutauschen. Was den Markt sonst noch besonders macht? Vielleicht, dass man hier auf eine große Ansammlung von „Originalen“ trifft. Das merkt man am stärksten, wenn man mal selbst einmal etwas Zeit im Verkaufsstand verbracht hat. Jeder Wagen hat seine eigene Persönlichkeit. Ganz egal ob Fisch oder Steinofenbäcker, Gewürzstand, Obst und Gemüse, Wurst, Käse, Blumen oder Socken: Alle machen ihren Job mit Herzblut und bilden dabei so etwas wie eine große, mobile Familie. Auch wenn der Ton etwas ruppiger ist und man manchen Spruch erst nach Jahren (oder auch nie) versteht, fühlt man sich wohl. Selbst bei Regen und Stromausfall ist die Stimmung gut – was in typisch norddeutscher Manier natürlich nicht so offen gezeigt wird. Das spüren auch die Kunden und kommen immer wieder. Einige so oft und regelmäßig, dass sie irgendwann „zum Inventar“ gehören. Erscheint einer mal nicht, stellt sich schnell die Frage: „Wo ist der denn abgeblieben?“

Zeit für neue Perspektiven

Ungefragte Meinungen von Kunden und Marktleuten gibt es zum Einkauf gratis dazu. Das kann schon mal dazu führen, dass sich ganz neue Wege auftun. Ein schönes Beispiel: Die Bremer Bio-Manufaktur, deren Gründer sich nach vielen Kaffees, Gesprächen und Einkochexperimenten dazu entschied den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Und auch ich würde ohne meine Zeit auf dem Wochenmarkt heute wahrscheinlich nicht das tun, was ich tue. Nirgens lernt man mehr Selbstdisziplin und positive Lebenseinstellung und kaum woanders sieht man so gut, was „seine Arbeit l(i)eben“ bedeutet.

Am Samstag feiert der Vegesacker Wochenmarkt seinen 175. Geburtstag mit einem Fest auf dem Marktplatz. Das ist die Gelegenheit auch für Marktmuffel mal einen Blick auf den Sedanplatz zu werfen. Überhaupt, es ist Einmachsaison! Also nix wie hin: Papa auf ein Käffchen einladen, die Kleinen beim Kinderschminken abgeben und dann los in Ruhe für das neue Gurkenrelish, das Apfelmus nach Omas Rezept und die eingelegten Zucchinis shoppen. Wer wissen möchte, was sonst noch so los ist, schaut einfach mal auf der Homepage des Vegesacker Wochenmarkts vorbei.